TRIOlogie

Stephan. Peter. Kralle.

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30.04.1982

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Trio live im Reuti (Ulm)

Trio-Fan Jost war bei diesem Konzert und ergatterte sich dieses einmalige, von der Bühne herunter signierte Konzertticket. Außerdem hat er sich folgende merkwürdige Konzertkritik aufbewahrt (erschien in der "Südwestpresse Ulm"):

Geschäft mit dem Da-da-da
Die Gruppe „Trio“ in der Gemeinschaftshalle Reutti

„Achtung, Achtung! Lassen Sie sich nicht täuschen. Obwohl es zunächst so aussieht, als ginge es um Ihre Unterhaltung, geht es doch letztlich darum, daß Sie Ihre Sympathien und Ihr Geld dem Trio geben – ab dafür!“

Ja, ja, ja – das Trio war da. Trio kann nur bis drei zählen und kommt aus (2907) Großenkneten. Und Trio macht jetzt auch große Knete. Für den Auftritt in der Gemeinschaftshalle in Reutti wurden an der Abendkasse 14 Mark verlangt. Seit die Neue Deutsche Welle auch übers Hinterland schwappt und aus der Not der musikalischen Beschränktheit eine Tugend gemacht hat – und die kommt ja bekanntermaßen teuer zu stehen – ist auch Trio 14 Mark wert. Trio macht’s auch nur für Geld, gibt das aber wenigstens gleich zu Konzertbeginn zu. Trio hat überdies die erstaunliche Reduzierung der musikalischen Ausdrucksformen so perfektioniert und mit schelmischem Witz angereichert, daß es schon wieder Kunst ist.

Das Trio-Marketing ist genial dumm: Die aberwitzigsten Ableitungen der magischen Zahl drei werden bei hinreißend einfältigem Gesichtsausdruck mit solch dreister Beharrlichkeit wiederholt, daß der Trio-Kundschaft nicht etwa das Gähnen kommt, wenn’s zum wiederholten Male „Ja, ja, ja“ und „Da-da-da“ heißt – mitnichten: Sie ergießt sich in spontaner Zuneigung, weil halt der Wiedererkennungswert des Banalen nicht zu übertreffen ist. Die mit Bedacht gepflegte Dreier-Attitüde ist indes nicht alles. Trio hat außer „Ja, ja, ja“ auch Ausführlicheres zur Stimmungslage beizutragen. Zur jugendgesellschaftlichen Realität: „Immer nur besoffen, um das alles zu ertragen/jetzt fliegen endlich Steine/und da fragst du noch wieso“ – und zur herzensmäßigen Befindlichkeit „Kummer, oooh Kummer/mein Herzl ist nicht mehr da/wie schön war’s im letzten Jahr.“

Die drei vom Trio – Stefan Remmler singt, textet und sieht dazuhin noch erregend weggetreten aus, „Kralle“ Krawinkel an der Gitarre und der unentwegt belämmert-traurig blickende Peter Behrens am (wie er munkeln läßt: hämorrhoiden-freundlichen) Standschlagzeug – sind unbestritten die seit (natürlich drei) Generationen schärfste Großtat, die Großenkneten für den Rest der Welt geleistet hat.

Nico Schwenzer
30.04.1982.1790407623.txt.gz · Zuletzt geändert: von triologe

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