Kralle Krawinkel

Gert Franz Alexander Krawinkel wurde am 21.04.1947 in Wilhelmshaven geboren. Wie er zur Musik kam, ist nicht überliefert. Jedenfalls spielte er schon Ende der 60er Jahre gemeinsam mit Stephan Remmler in der Band "Just Us". In dieser Formation wurden Kralle und Stephan im norddeutschen Raum sogar ziemlich erfolgreich. Anfang der 70er Jahre veröffentlichte Kralle mit seiner eigenen Band "Cravinkel" zwei Alben, die sich bis heute eines Kult-Status erfreuen, jedoch sehr rar sind. In den 70ern war Kralle gemeinsam mit Stephan Remmler Dozent an der Uni Oldenburg. Ende der 70er Jahre spielte Kralle bei den "Emsland Hillbillies", in der auch Horst Bösing Bass spielte. In dieser Zeit wurde Kralles Sohn geboren. Gemeinsam mit Stephan Remmler, Horst Bösing und Wilfried Szyslo am Schlagzeuger wurde dann die Formation "Wind" gegründet, aus der dann Bösing und Szyslo wieder ausschieden, und Peter Behrens die Rolle des Schlagzeugers übernahm. "Wind" wird in "Trio" umbenannt. Der Rest ist Geschichte…

Kralles Auftreten bei Trio war nie sehr spektakulär. Das Einzige, das auffiel, war sein Solo in "Broken Hearts For You And Me", das er immer mit heruntergezogener Wollmütze spielte. Kralle hielt sich immer eher im Hintergrund. Dabei darf nicht vergessen werden, dass er der eigentliche musikalische Kopf von Trio war. Von ihm stammte etwa die Hälfte der Kompositionen, die Texte stammten meist von Remmler. Er selbst bezeichnete sich als das "Herz" von Trio, während er Remmler als den "Kopf" bezeichnete und Peter als "das Arschloch".

Bereits 1982 baute sich Kralle neben Trio ein zweites musikalisches Standbein auf. Zusammen mit dem deutschen Rockmusiker Marius Müller-Westernhagen spielte er die Alben Das Herz eines Boxers (1982) und Die Sonne so rot (1984) ein. Kralle begleitete ihn auch bei einer Deutschland-Tournee.

1983 engagierte sich Kralle im Wahlkampf für die Grünen. Ein Teil des Wahlkampfes sah vor, dass einige Bands, denen an den Grünen lag, gemeinsam auf Tournee gingen, und den begleitenden Politikern einen musikalischen Rahmen boten. Kralle spielte dort mit der Band Egal 88, in der auch sein langjähriger Freund und späterer musikalischer Wegbegleiter Willy Szyszlo aktiv war.

Kralle wohnte nach der Auflösung von Trio 1986 noch einige Jahre im Haus in Großenkneten, aus dem Remmler und Behrens längst ausgezogen waren. Dort hatte er sich ein Studio eingebaut, in dem er herumwerkelte. 1989 zog er mit seiner Freundin Monika Kölling, die er 1985 bei den Dreharbeiten für "Drei gegen Drei" kennen lernte, nach Berlin. Hier nahm er 1993 sein hervorragendes Solo-Album "Kralle" auf, das jedem Gitarristen ans Herz zu legen ist. Kralle spielte immer noch seine alte Fender, hatte aber mittlerweile wieder alle Pickups eingebaut. Live sah man ihn im Vorprogramm von Stephan Remmlers "Vamos-Tour". Zu einem gemeinsamen Auftritt kam es bedauerlicherweise nicht.

Eigentlich sollte dem Album "Kralle" ein zweites folgen – ausreichend Kompositionsmaterial war vorhanden. Auch hatten Kralle und Willi einen Plattenvertrag für zwei Alben unterschrieben. Nachdem jedoch das erste Album sich nicht gut verkaufte, bekam die Plattenfirma "kalte Füße" und zahlte den beiden einen fünfstelligen Betrag anstatt in eine zweite Produktion zu investieren.

1996 war etwas über Kralle zu hören, das nicht in den Bereich Musik fiel: Er hatte sich gemeinsam mit einem Freund einen Eintrag Guinness Buch der Rekorde gesichert. Die beiden hatten die längste Reise der Welt hoch zu Ross unternommen.

Kralle hatte sich mittlerweile in Spaniens Südküste bei Sevilla ein Haus gebaut, in dem er auch gleich ein Tonstudio einrichtete. Zeitweilig hielt er sich auch noch in Berlin auf. Mit Freunden spielte er einige kleine Konzerte in Hamburg. Aus der Öffentlichkeit lebte er weitgehend zurückgezogen und ging eher seinem Hobby, der Olivenzucht, nach.

Im Herbst 2013 wurde ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Kurz vor seinem Tode heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Monika Kölling, die seither Monika Krawinkel heißt. Kralle starb am 16. Februar 2014 in Cuxhaven und wurde auf See bestattet.

Posthum erschien zu seinem 5. Todestag im Februar 2019 die CD Kralle & The Hoodoos, die unveröffentlichte Aufnahmen enthält, von denen die ältesten noch Ende der 80er Jahre in Großenkneten entstanden. 2021 erschien eine 2. CD mit unveröffentlichtem Material: Kralle & The Hoodoos - plugged 2.