The Best Of Trio DVD
Bericht aus dem Mastering-Studio
Am Sonntag, dem 22. Juni 2003 um 12.00 Uhr stand ich vor der Tür des DVD-Mastering-Studios „Cube“ in Hamburg, wo die kommende Trio-DVD zusammengestellt und gemastert wurde. Empfangen wurde ich von Alexander, der mir erst mal einen leckeren Kaffee anbot.
Vorab erzählte er mir von den Schwierigkeiten, die er und seine Kollegen beim Zusammensuchen der verschiedenen Videos hatten. Von nur wenigen Videos (z.B. „Ready For You“) wurden die originalen Masterbänder gefunden. Bei anderen Videos musste man auf mehr oder weniger schlechte Kopien zurückgreifen. Leider ist es nicht so, dass im Archiv von Universal ein Regal steht, in dem alle Trio-Videos nebeneinander archiviert sind. Zwei Videos kommen leider nicht auf die DVD: „My Sweet Angel“, das einfach nicht gefunden wurde, und „Sabine Sabine Sabine“, dessen Masterband bedauerlicherweise es beim Digitalisieren unwiederbringlich zerbröselt hat. Zum Trost wurden weitgehend unbekannte Videos gefunden: „Wake Up“ und „Girl Girl Girl“. Das Video von „Herz ist Trumpf“ lag leider nur in einer sehr schlechten Kopie vor, bei dem fast sämtliche Farben verblasst sind.
Zu der kommenden CD "Trio Deluxe" konnte Alexander mir nicht so viel sagen. Er wusste nur, dass die Multitrack-Bänder zum ersten Album tatsächlich nicht mehr aufgetaucht sind. Aber zu den Alben „Live im Frühjahr 82“ (hier gibt es vier unveröffentlichte Songs!), „Bye Bye“ und „Whats The Password“ standen die Multitracks zur Verfügung.
Anschließend führte Alexander mich ins eigentliche Tonstudio, ein beeindruckendes Surround-Studio.
Hier spielte er mir zahlreiche Versionen von Trio-Songs vor, die ich noch nie gehört hatte. Fast alle Songs stammten vom Album „Bye Bye“, von dem umfangreiches Material in den Archiven gefunden wurde. Dazu gehören die originalen Multitrack-Bänder und Bänder mit unterschiedlichen Abmischungen der Songs. Soweit ich das überblicken konnte, dürfte es etwa 40 verschiedene Versionen der Songs vom „Bye Bye“-Album geben. Gehört habe ich nicht alle, nur die folgenden:
Ich lieb den Rock’n’Roll
Hier hat sich Trio offenbar mit den Abmischungen recht schwer getan. Ich hörte eine Unzahl von Versionen. Auffallend war, dass bei der letztendlich veröffentlichten Version die erste Zeile der Schere zum Opfer fiel. Interessant fand ich, wie Trio im Studio arbeiteten: Ganz offensichtlich benutzten sie die Orgel aus „Energie“ grundsätzlich als Taktgeber. Ich erinnere mich an unterschiedliche Schlagzeug-Sounds. Mal spielte Peter Hi-Hat, Snare und Bassdrum, dann mal keine Hi-Hat, dann mal nur Snare... Auch beim Gesang wurden wohl einige „Yeahs“ herausgeschnitten. Eine bislang unveröffentlichte Version gelangt auf die DVD, visualisiert mit einigen Video-Schnipseln.
Drei Mann im Doppelbett
Auch hier gab’s Unmengen von Versionen. Sehr erstaunlich fand ich eine Version, die mit einem fetten Techno-Beat unterlegt war. Da waren Trio ihrer Zeit um ein Jahrzehnt voraus! Auch das Telefongespräch aus „Hallo Mutti“ konnte ich mir – ohne Musik – anhören. Ich hatte es mir eh gedacht: Das Gespräch ist nicht echt. Allerdings hörte ich auch ein sehr lustiges (echtes) Telefongespräch, das Remmler unmittelbar vor der „Hallo Mutti“-Aufnahme mit seinem Opa führte, das mitgeschnitten wurde.
Bum Bum
Hier gibt es eine unendlich lange Arbeits-Version. Der Text ist nur probehalber schon mal drauf, und das Schlagzeug klingt noch sehr dünn.
Herz ist Trumpf
Hier konnte ich eine Version hören, bei der die Musik schon fertig war, und Remmler seinen Gesang übte. Klang besonders lustig, da er auch den Chor („Was dann... was dann...“) mitsang. Das gab dem Song den Charakter eines Kinderliedes. Ich erinnere mich auch noch an eine weniger interessante Instrumental-Version.
Immer noch einmal
Da gab’s nur eine Instrumental-Version zu hören.
W.W.W.
Auf einem Band stand: “W.W.W. (Stephan’s Mix)”. Ob der Mix tatsächlich von Stephan selbst stammt, oder ob es sein Lieblings-Mix ist, konnte nicht geklärt werden. Jedenfalls gefällt mir und Alexander der Mix viel besser als die veröffentlichte Version. Die Version wird – auch mit Videos garniert – auf der DVD veröffentlicht.
Ready For You
Ein paar Songs aus dem „Password“-Album habe ich auch noch gehört. Von „Ready For You“ existiert eine sehr gute Abmischung, die etwas dünner instrumentiert und weniger hart abgemischt ist. Ich sagte Alexander, dass ich unbedingt den Schluss hören will, um festzustellen, was da bei der veröffentlichten Version zensiert wurde. Leider wurden wir gestört, und ich vergaß es wieder. Mist!
Wahnsinn
Hier konnte ich die Version hören, die nie auf Vinyl veröffentlicht wurde, aber im Film Verwendung fand. Das Lied ist auch unendlich lang im Original.
Drei gegen Drei
Von dem Lied gibt es eine wenig überzeugende alternative Abmischung.
Insgesamt hörten wir etwa eine Stunde in die Bänder rein. Dann präsentierte er mir die DVD, die – noch ungepresst – im Rechner war. Folgendes ist von Interesse:
Tracklisting:
Bonus Tracks:
Features:
Gesamtlaufzeit:
Soweit möglich, wurde der Sound von den originalen Tonbändern rekonstruiert und in Surround gemischt. Wenn im Video O-Ton (z.B. bei „Bum Bum“) zu hören ist, wurde er unter die Tonbänder gemischt. Bei den Video-Schnipseln, die für „W.W.W.“ und „Ich lieb den Rock’n’Roll“ verwendet wurden, handelt es sich zu 99 Prozent um Ausschnitte aus den anderen Videos. Hinzu kommt lediglich ein Ausschnitt aus dem legendären Konzert in der Freiluft-Arena in Verona. Von diesem Konzert existiert leider nur ein 18-Sekunden Video-schnipsel. Zu dem Lied „Bye Bye“ wurde offenbar auch begonnen, ein Video zu drehen, von dem noch etwa 30 Sekunden existieren. Aber dieses Video wurde nicht fertig gestellt und gelangt auch leider nicht auf die DVD.
Dann präsentierte mir Alexander noch das Artwork der DVD-Menüführung. Ganz ehrlich: Es gefällt mir nicht. Es ist quietschbunt und alles andere als minimalistisch. Ist aber Geschmackssache. Was mich mit Stolz erfüllt: Es wurden umfangreiche Grafiken direkt aus meiner Homepage verwendet. Habe ganz vergessen zu schauen, ob ich nun auch meinen versprochenen Credit bekommen habe.
Sehr hübsch finde ich, dass jedes Video mit einem ganz kurzen Jingle versehen ist, das mit ein wenig Sound unterlegt ist. Zum Beispiel hört man vor einem Video Remmlers Gesangsspur aus „KunstherzSchröder“: „Ein wenig wirkt er noch verwirrrrrrrrt“. Das klingt so alleine und ohne Musik sehr originell.
Nach etwa zwei Stunden verabschiedete ich mich von Alexander. War sehr nett in dem Studio, und ich hoffe, ich werde das Gehörte so schnell nicht vergessen.
Eins noch: Alexander würde gerne auch nächstes Jahr wieder eine Trio-DVD machen. Angedacht ist eines der TV-Konzerte (Rockpalast, BeatClub oder Alabama mit zusätzlichem Interview-Material). Wenn sich also die DVD mit den Videos und die kommende CD gut verkaufen, wird wohl noch was nachgelegt. Also: Kaufen, kaufen, und weiterempfehlen! In Aussicht gestellt wurde auch eine Veröffentlichung des Live-Konzert im Hamburger „Onkel Pö“. Problematisch ist nur die Rechtslage, da die Bänder komplett der ARD gehören.
Euer glücklicher Webmaster
Matthias Klein
Hohen Neuendorf, am 22.06.2003