Triografie ("Vergessen die
Vergangenheit...")
(English
Version)
Trio
sind:
Stephan Remmler (*25.10.1946 in Witten/Ruhr): Gesang, Casio
Gert Franz Alexander
'Kralle' Krawinkel (*21.04.1947 in Wilhelmshaven): Gitarre
Peter
Behrens (*04.09.1947 in Sanderbusch/Friesland): Schlagzeug
Das Trio aus Großenkneten erlebte Anfang
der 80er Jahre zur Zeit der Neuen Deutschen Welle seinen kommerziellen
Höhepunkt. Ihr größter Erfolg war der Welthit "Da
da da ich lieb dich nicht
du liebst mich nicht aha aha aha",
der im Frühjahr 1982 veröffentlicht wurde.
Viel war für den Bahnbrechenden Erfolg
nicht nötig:
Stephan Remmler zelebrierte den coolen
deutsch-englischen Sprechgesang, Gitarrist Gert "Kralle" Krawinkel
(Künstlername "Lesemappen-Paul") spielte
auf seiner Fender nur das Allernötigste und verzichtete weitgehend auf Soli.
Stehtrommler Peter Behrens (Künstlername "Karl Knapp") nutzte sein
auf Bassdrum, Snare, Hi-Hat und Becken reduziertes Schlagzeug so effektiv wie
möglich. Stephan Remmler spielte des Weiteren gelegentlich auf diversen
Spielzeug-Instrumenten.
Schon die spärliche Instrumentierung
verriet das Konzept hinter dem Trio: Man versuchte, diverse Musikrichtungen auf
ein absolutes Minimum zu reduzieren. Durch diesen musikalischen Minimalismus
zeigte sich, was von Liedern übrig bleibt, wenn man die komplette Maskerade
(aufwendige Produktion und Arrangements) einfach weglässt. Die Aussage der
Lieder trat auf diesem Wege in den Vordergrund. Wer die Musik als puren Klamauk
interpretierte, war definitiv auf dem Holzweg.
Trio veröffentlichte von 1981 bis 1985
drei Studio-Alben, eine legendäre Live-Kassette und einen erfolglosen Spielfilm.
Hinzu kamen zahlreiche Single-Auskopplungen im In- und Ausland. Das
Minimalkonzept wird auf dem ersten Album ("Trio",
1981) am eindrucksvollsten präsentiert.
Was ursprünglich 1981 als Geheimtipp
gehandelt wurde, entwickelte sich ab 1982 schnell bis zum heute noch
anhaltenden Kult. Trio verfügen nach wie vor über eine eingeschworene
Fan-Gemeinde.
Nach der Auflösung der Band (1985) gelang
es nur noch Stephan Remmler als Solokünstler an die alten Erfolge anzuknüpfen.
Zur Entstehungsgeschichte
im Einzelnen:
1966-1971 Stephan Remmler und Kralle Krawinkel spielten erstmals Ende
der 60er Jahre in der norddeutschen Band "Just Us" (vormals "MacBeats"),
mit der sie im Norddeutschen Raum sogar ziemlich erfolgreich waren. Es kam gar
zu Konzerten im legendären Hamburger "Star Club". "Just Us" lösten sich 1969 auf, und Remmler und Kralle
gingen getrennte Wege. Kralle gründete eine eigene Band, die sich "Cravinkel" nannte, und mit er Anfang der 70er
Jahre zwei Alben veröffentlichte, die allerdings kein Erfolg wurden. Remmler
veröffentlichte Solo zwei Singles unter dem Pseudonym "Rex
Carter" - auch ein Flop. Peter Behrens spielte zu jener Zeit in der
psychedelischen Rockband "Silberbart", mit denen er - ebenfalls bei
Philips - ein Album aufnahm, das aber auch kein Erfolg wurde. Stephan und
Kralle kannten Peter in jener Zeit nur flüchtig aus Musikerkreisen.
1971-1979 Nachdem Remmler und Kralle sich musikalisch nicht
verwirklichen konnten, studierten beide gemeinsam Lehramt für Musik, Sport und
Deutsch und wurden schließlich Lehrkräfte für Popmusik an der Universität
Oldenburg. Kralle versuchte sich noch ein halbes Jahr als Sport- und
Musiklehrer in Ostfriesland, um sein zweites Staatsexamen zu bekommen, was ihm
aber nicht zusagte. Kralle und Stephan machten aber hauptsächlich weiterhin
Musik. Kralle spielte bei den "Emsland Hillbillies",
bei denen er Carl Carlton ersetzte. 1979 kam es dann
zu einem so genannten Reunion-Konzert von „Just Us“ und anderen Bands aus dieser Ära. Dieses Konzert
verlief so gut, dass alle Beteiligten auf die Idee kamen, jetzt noch einmal
einen neuen Anlauf zu nehmen, um ihre Musik populär zu machen, diesmal auf
professionellem Wege. Es wurde zu diesem Zweck eine Firma gegründet, die auf
den Namen „Just Us Music Productions
(JUMP)“ hörte, und von verschiedenen Leuten finanziert wurde – Hauptgeldgeber
soll Remmler gewesen sein. Von dem Geld wurde u.a.
das mittlerweile legendäre Haus in Großenkneten in der Regenter
Str. 10a gemietet. Kralle und Stephan waren bei JUMP als Musiker regelrecht
angestellt mit dem Auftrag, eine professionelle und Erfolg versprechende Band
zu gründen. Erstes Projekt war eine Band namens „Wind“, bei der u.a. Horst Bösing (Keyboarder von
den „Emsland Hillbillies“), Wilfried Szyszlo (Schlagzeug) sowie natürlich Kralle und Remmler
dabei waren. In dieser Zeit stieß auch Peter Behrens in die Band, der gerade
von der Mailänder Clownsschule kam und nun arbeitslos war. Aber
zwischenzeitlich sollen 25 (!) Musiker in der Band gewesen sein. Leider reichte
die finanzielle Decke irgendwann nicht mehr, um das Projekt aufrecht zu
erhalten. Mit „Wind“ wurden keine Konzerte gegeben, aber immerhin wurde ein
Demotape produziert. Stephan machte in Zusammenarbeit mit der Uni Oldenburg und
mehreren Schulen mit den Songs regelrecht Marktforschung. Er spielte die Titel
im Musik-Unterricht und ließ sie von den Schülern bewerten.
1980 Aus der finanziellen Not heraus beschlossen Stephan, Kralle und Peter
fortan nur noch zu dritt zu spielen, zumal sie fanden, dass ihre Musik ohne
Bass viel interessanter klang. Die anderen Geldgeber für „Just Us Music Productions“ wurden über
diesen Plan allerdings nicht informiert. Stephan, Kralle und Peter arbeiteten
eine bis ins kleinste Detail geplante Bühnenshow aus und luden dann ihre
Geldgeber und Freunde zum 20.12.1980 zu einem ersten Konzert im Gasthaus
Kempermann ein. Die geladenen Gäste erwarteten eigentlich eine ganz andere Art
von Musik und waren wohl reichlich irritiert, als Stephan, Kralle und Peter ihr
Projekt „Trio“ vorstellten.
1981 Im Februar 1981 nahmen sie eine
selbst produzierte 10"-Mini-LP
auf (mit "Lady-O-Lady", "Broken Hearts
For You And Me - live" und "Sunday You Need Love Monday Be
Alone"). Es began eine kleine Tournee durch Norddeutschland, und “Trio”
entwickelten sich schnell zum Geheimtipp.
Der Bassist und Grafiker
Klaus O.W. Voormann kehrte 1981 aus Amerika zurück. Voormann war Intimus der
Beatles, der sie schon vor ihrem großen Durchbruch Ende der 50er/Anfang der
60er Jahre in ihrer Hamburger Zeit kannte. Nach dem tragischen Tod von John
Lennon, bei dem er bis zuletzt Bass spielte, kam er zurück in seine deutsche
Heimat und versuchte sich als Talent-Scout bei der
deutschen Plattenfirma Phonogram. Er hörte vom Trio
und beschloss, von nun an die Band zu produzieren. Im Oktober 1981 erschien die
erste LP von Trio. Sie war schlicht "Trio"
betitelt, wurde in Husum in einem umgebauten Schweinestall aufgenommen
(Produktionskosten: nur 40.000 DM!) und trägt auf dem Cover die Privat-Adresse
von (übrigens falsch geschrieben - der Straßenname lautet richtig: "Regenter Str. 10a"!) Trio sowie ihre Telefonnummer
(04435/2300). Bis heute zählt das erste Album von Trio zu den wichtigsten
Platten aus Deutschland überhaupt. Um für die Platte zu werben, wählte Trio den
direkten Weg: Die erste Deutschlandtour führte sie mittags durch Deutschlands
Schallplattenläden, während abends im Club gespielt wurde. Trotz dieser
originellen Vertriebsidee waren die Verkaufszahlen nicht das, was sich die
Plattenfirma vorgestellt hatte.
1982 Während dieser Tournee entstand im Winter 1981 das Lied "Da
da da du liebst mich nicht
du liebst mich nicht aha aha aha".
Es fand seinen Platz erst nachträglich auf der LP und wurde auf Single
veröffentlicht. Das Lied hatte Trio gemeinsam mit Dieter Meier von der
Schweizer Band "Yello" aufgenommen, die bei
der gleichen Plattenfirma unter Vertrag waren. Im Background hört man Anette Humpe von der Berliner Band "Ideal", deren
Schlagzeuger auch noch für die Kastagnetten sorgte. "Da da da..." mauserte sich zu
einem der größten Hits der bereits angebrochenen Neuen Deutschen Welle. In
Deutschland erreichte "Da da da..."
Platz 2 der Single-Charts (Platz 1 war besetzt von Nicoles "Ein bisschen
Frieden"). Auch weltweit wurde die Single ein großer Erfolg; sie wurde in
30 Ländern veröffentlicht und erreicht Gold- und Platin-Status. In Europa soll
sie sich etwa 3 Millionen mal verkauft haben. Die LP -
nun mit "Da da da..."
platzierte sich in Deutschland auf Platz 3 und wurde in 20 Ländern der Welt
veröffentlicht. Für den nicht deutschsprachigen Raum wurde eine englische
Version von "Da da da..."
aufgenommen ("Da
da da I Don't
Love You You Don't Love Me Aha Aha Aha").
Der finanzielle Erfolg
führte natürlich zu Streitigkeiten mit den früheren Geldgebern von „Just Us Music Productions“, die
natürlich alle etwas vom Kuchen abhaben wollten. Es ist allein Klaus Voormann
und seinem Vermittlungsgeschick zu verdanken, dass Trio an dieser Stelle nicht
zerbrach.
Beim deutschen Publikum
erfreute sich Trio besonders großer Beliebtheit. Einer der Gründe hierfür waren
die regelmäßigen Auftritte in der "ZDF Hitparade" mit Dieter-Thomas
Heck, in welcher zahlreiche deutsche Rockmusiker der Neuen Deutschen Welle die
Schlagersänger verdrängt hatten. Für Aufsehen sorgte offensichtlich in der
"Hitparade" vor allem, dass Peter Behrens, während er Schlagzeug
spielte, Äpfel verzehrte. Zu jedem Lied erdachte sich das Trio einen besonderen
Auftritts-Gimmick. Stephan Remmler fiel z.B. durch seinen unerschöpflichen
Fundus an geschmacklosen Brillen auf.
Es folgten zahlreiche Konzerte, so auch
auf der Loreley oder in der Freiluft-Arena in Verona. Nachdem schon der "Rockpalast"
im WDR im Februar 1982 ein Trio-Konzert ausstrahlte, folgte nun der Beatclub
mit "Trio In Concert". Trio wehrte sich von Anfang an dagegen, in die
Schublade "Neue Deutsche Welle" gesteckt zu werden. Stattdessen
beschrieben sie ihren Stil ironisch als "Neue Deutsche Fröhlichkeit".
Die meisten Leute, die die
Musik von Trio hörten, hielten sie zunächst für einen schlechten Witz. Man
neigte von Anfang an dazu, sie als Klamauk-Combo abzustempeln. Aber weit
gefehlt! TRIO war höchstens unfreiwillig komisch. Ihr eigentliches Interesse
bestand darin, aufzuzeigen, aus welch simplen Komponenten erfolgreiche Lieder
gestrickt sind. Trio ließ diese Maskerade einfach weg. Sie reduzierten diverse
Musikrichtungen auf ein absolutes Minimum. Es gab keine aufwendigen
Aufnahme-Tricks, kein Hall auf dem Gesang, keine bombastische Bühnen- und
Licht-Show, keine Tiefschürfenden Texte, keine gesanglichen
Höchstleistungen.... Sie beraubten durch den Minimalismus den
verschiedenen Musikstile jegliche Illusion.
Im Oktober 1982 erschien
die zweite Single "Anna
- Laßmichrein laßmichraus",
die jedoch nicht auf dem Album "Trio" enthalten war.
"Anna..." erreichte Platz 3 der deutschen Charts und wurde ebenfalls
auf englisch ("Anna -
Letmein Letmeout")
im Ausland veröffentlicht. Im gleichen Monat erschien auch ein
Konzertmitschnitt "Trio
live im Frühjahr 82". Diese hervorragende Aufnahme war jedoch nur auf
MC erhältlich, was zu dem Werbeslogan: "Die erste Platte, die es nur auf
Kassette gibt" führte. Neben Live-Versionen der Songs aus dem ersten Album
waren diverse Sprüche und merkwürdige Kurzgeschichten zu hören. 1992 erschien
das Album nachträglich auf Compact Disc. Da schon die Angabe der Telefonnummer
auf der ersten Platte für Aufsehen sorgte, überlegten sich Trio einen neuen
Gag: Sie veröffentlichten ihre Kontonummer, und es sammelten etwa 100,00 DM an,
die sie an Greenpeace spendeten.
Der Erfolg verlangte nun
nach seinem Tribut. Das Trio gab sein letztes Konzert im Juni 1982 und ging in
Klausur. Ende des Jahres zog sich das Trio in die Schweizer Berge zurück, um in
Ruhe neue Lieder zu schreiben, denn ein neues Album war dringend fällig.
1983 Als erstes Ergebnis folgte im Mai 1983 die dritte Single "Bum Bum". Zu diesem Lied wurde ein aufwändiger
Video-Clip mit der Hamburger Prostituierten Domenica gedreht. Deren 115cm Busen
zierte auch das Cover der Single und war mit Lippenstift mit den Worten
"BUM BUM" beschrieben. Auch "Bum Bum" wurde auf englisch
("Boom
Boom") veröffentlicht. In den USA war
"Da da da" kein
Erfolg geworden. Den Durchbruch schafften sie dort erst mit der Single
"Boom Boom", die für den amerikanischen
Markt noch mit einem knackigen Remix versehen wurde.
Erst im Herbst 1983
erschien das lang erwartete zweite Album von Trio "Bye Bye". Das Cover war - wie schon die erste LP -
schlicht weiß gehalten. Unten links befanden sich zwei Werbefelde der
Motorrad-Helm-Firma "UVEX". Der Rest der LP enthielt weitere Felder,
die ebenfalls für Werbung zur Verfügung standen (10.000 DM pro Feld und
Auflage). Auflage für Auflage füllte sich das Cover mit Anzeigen. Auf dem Album
selbst waren weder "Bum Bum" noch
"Anna..." vertreten. Sie waren nur in neuen Versionen zu hören. Das
Album erschien weltweit in verschiedenen Kopplungen. So gab es eine Europa-Version,
auf der noch einmal "Da da da"
vertreten war. Auf der kanadischen Pressung fehlte der Titel, da dort schon das
erste Album "Da da da"
beinhaltete. Auch in Deutschland änderten sich die Titel und das Cover der LP
von Auflage zu Auflage.
In den Vereinigten Staaten
und Kanada erschien das Album unter dem Namen "Trio
And Error" - mit "Da da da". Über ihren Produzenten Klaus O.W. Voormann
knüpften Trio Kontakte zu der Lennon-Witwe Yoko Ono. Auf der deutschen Pressung
der LP - und nur dort - erschien der von Yoko Ono komponierte Titel "Wake
Up". Dieser Titel war auch der einzige deutsche Beitrag einer LP mit
einer Zusammenstellung von Yoko-Ono-Kompositionen. Mit dem Album begann Trio
sich ein wenig vom minimalistischen Stil abzuwenden. Nur noch wenige Songs
erinnerten an den Garagensound der ersten LP. Die Instrumentration war bei weitem
nicht mehr auf Gitarre und Schlagzeug begrenzt. Bei fast allen Liedern gab es
jetzt einen Bass, bei anderen Songs auch Hammoend-Orgel, Streicher, Chöre und
zahlreiche Gastmusiker. Live wurde das Album leider nicht präsentiert. Es
wurden noch drei Singles ausgekoppelt: "Herz
ist Trumpf", "Turaluraluralu - Ich mach BuBu
was machst Du" und "Tutti Frutti". Die letztere Single war aber schon
nicht mehr so erfolgreich. Die letzten drei Singles erschienen im Ausland auf englisch ("Hearts Are Trump",
"Tooralooralooraloo - Is It Old & Is It New" und "Tutti Frutti").
Trio unternahm Ende 1983
eine umjubelte Kurz-Tournee durch die Vereinigten Staaten und Kanada. Bei einem
Konzert in New York befand sich übrigens Yoko Ono im Publikum, die Trio nach
dem Konzert dann noch persönlich kennen lernten.
Beim deutschen Publikum
machte sich Trio allerdings rar. Sie sagten zahlreiche Fernseh-Auftritte ab und
gaben keine Konzerte. Angeblich soll es Pläne für eine Tournee gegeben haben,
die mit einem Zirkuszelt durch die deutschen Städte gewandert wäre.
1984 1984 wurde es um Trio erst mal still. Stephan
und Peter zogen aus dem gemeinsamen Haus in Großenkneten aus. Peter ließ sich
in Baden-Baden nieder, und Stephan zog es zum Starnberger See. Nur Kralle blieb
Großenkneten treu. Die Drei machten Urlaub voneinander und gingen
Solo-Aktivitäten nach. Kralle spielte bei Westernhagen, Stephan nahm mit dem
Mädchen Nina eine erfolgreiche Solo-Single ("Feuerwerk")
auf, und Peter versuchte sich in dem Film "1000 Augen" als
Schauspieler. Ende 1984 trafen sich die Drei wieder und schmiedeten neue Pläne.
1985 Schon bei den Dreharbeiten zum Video von "Bum Bum"
entstand die Idee, aus dem Video einen abendfüllenden Spielfilm zu machen. Aber
es sollte anders kommen. Unter der Regie von Dominik Graf entstand 1985 in
Berlin der 5 Millionen Mark teure Spielfilm "Drei
gegen Drei". Produzent war Bernd Eichinger. Neben Stephan, Kralle und
Peter waren auch noch Ralf Wolters, Sunni Melles und - in einer Nebenrolle - Ute Lemper zu sehen. Es
verstand sich, dass TRIO auch die Musik zu dem Film schrieb. Dazu gehörten die
Titel "Drei gegen Drei", "My Sweet
Angel" und "Wahnsinn". Aber was brachte der ganze Aufwand? Der
Film wurde schlicht und ergreifend ein totaler Flop. Auch bei den Kritikern
fiel er unten durch. Er erschien noch auf Video und wurde 1987 erst- und
letztmalig im Zweiten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt.
Gleichzeitig zum Film
erschien auch das letzte Studio-Album von Trio "Whats The Password".
Es enthielt neben den Songs aus dem Film "Drei gegen Drei" noch eine
Reihe weiterer Songs. Der Sound hatte nichts mehr mit dem alten Sound von TRIO
gemeinsam. Die Instrumentration ist kaum noch begrenzt. Das Cover zeigt das
Trio in inniger Umklammerung, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass Peter
Behrens an der Produktion des Albums gar nicht beteiligt war, was auf einen
mehrmonatigen Aufenthalt in einem Gefängnis zurückzuführen ist. An seine Stelle
trat Curt Cress, ein bekannter deutscher Drummer.
Darüber hinaus waren auf dem Album auch noch die Geschwister Humpe zu hören. Aus dem Album wurden drei Singles ("Drei
gegen Drei", "Ready For You" und
"My
Sweet Angel") ausgekoppelt. Diese konnten
sich aber - genau wie das Album - nicht in den Charts platzieren.
1986 Nach diesem Totalflop löste sich Trio Anfang 1986 in aller Stille auf.
Remmler erzählte hierzu, dass das musikalische Konzept von Trio ausgereizt war.
Mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang waren die Möglichkeiten natürlich sehr
begrenzt. Die Drei zerstoben in alle Himmelrichtungen. Die Trennung war
allerdings ursprünglich als eine Übergangslösung gedacht. Sie wollten ein
halbes Jahr lang eigene Wege gehen, um sich dann wieder zu treffen, aber dieses
Treffen fand nie statt.
Stephan Remmler zog sich
zunächst nach München und dann in die Schweiz zurück, um an einer Solo-Karriere
zu arbeiten. Er - so sollte sich zeigen - hatte den größten kommerziellen
Erfolg nach der Auflösung von Trio. Seine größten Hits waren "Keine
Sterne in Athen" und der Faschingshit 1986 "Alles
hat ein Ende nur die Wurst hat zwei". Noch bis 1996 wandelte er auf
Solo-Pfaden. Danach zog er sich längere Zeit ins Private zurück. 2003
produzierte Remmler ein paar Songs für seine drei Söhne Cecil, Jonni und
Lauro. Deren erste Single „Everybody
Cha Cha“ erreichte Platz 28
in den deutschen Single-Charts. 2004 spielten die drei Remmler-Söhne
sogar noch einmal den größten Erfolg ihres Vaters: „Da da
da...“. Für 2006 ist das Comeback für Stephan Remmler
geplant.
Kralle spielte weiterhin
als Session-Musiker Gitarre für verschiedene Künstler
und veröffentlichte 1993 ein exzellentes Solo-Album, das sich
bedauerlicherweise nicht gut verkaufte. Das Album entstand übrigens in
Zusammenarbeit mit seinem Freund Willi Szyslo, der in
der "Prä-Trio-Phase" schon mit von der
Partie war. 1989 verließ Kralle das Haus in Großenkneten, in dem er zuletzt
zusammen mit Willi wohnte. Beide zogen nach Berlin. Kralle hält sich heute
allerdings hauptsächlich in Spanien auf, wo er sich ein Haus gebaut hat. Er ist
übrigens nebenbei Western-Reiter, und sicherte mit einem Freund in diesem
Zusammenhang einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde.
Behrens nahm in den
folgenden Jahren ein handvoll erfolgloser Singles auf. Wie er selbst sagte, hat
er das Geld, das er bei Trio verdient hatte (es soll etwa eine Million gewesen
sein), in Alkohol, Frauen und Kokain investiert. Nennenswert ist eine Single
namens "Dep De Dö Dep", in der Peter eine deutsche Version von Suzanne
Vegas "Tom's Diner" interpretierte. 1995
war er wieder als Clown tätig. Später kümmerte er sich um AIDS-Infizierte in
seiner neuen Heimatstadt Wilhelmshaven. Bis 2003 spielte er Schlagzeug in der
Combo "Alec, Mike & Peter" und steht seit 2004 täglich in Hamburg
in dem NDW-Musical „Sternenhimmel“ auf der Bühne.
Nach der Auflösung von Trio
erschien 1986 posthum ein Best-Of-Trio Album mit dem
lakonischen Titel "Trio
1981-85 Fünf Jahre zuviel". Ihre größten Hits waren in Maxi-Versionen
vertreten.
Es folgte ein langes
Desinteresse am Trio. Es wollte niemand etwas von ihnen wissen, und sie waren Mega-out.
1997-2005 1997 erschien in den USA ein Werbespot für Volkswagen, der
mit der englischen Version von "Da Da Da..." unterlegt war. Der Song wurde in den USA prompt
ein Hit. Das Album " Trio And Error" wurde mit einigen Veränderungen
unter dem Namen "Da Da Da" neu
veröffentlicht.
Mit er 80er-Jahre-Retrowelle
erwachte das Interesse am Trio wieder. Der mittlerweile sehr populäre Sänger
Herbert Grönemeyer veröffentlichte im Rahmen seines Projekts "Pop
2000" eine eigene neue Version von "Da da da...", die prompt in die deutschen Charts kletterte.
Grönemeyer "outete" sich in Interviews als
Trio-Fan und wollte wohl schon immer mal ein Lied von ihnen spielen. Aufgrund
dieses Erfolges erschien noch im gleichen Jahre ein neues "Best-Of-Trio"-Album, genannt "Triologie".
Nach dem Millennium gab es
- man höre und staune - die Idee, Trio wieder zu beleben. Kralle und Peter
setzten sich sehr dafür ein. Es wurden zwei Songs aufgenommen, die "sehr
fett" klingen sollen. Leider stellte die Plattenfirma die Bedingung, dass
neue Musik von Trio nach "Da da da" zu klingen hat. Aber darauf hatten Kralle und
Peter wohl keine Lust. Ganz abgesehen davon hatte Stephan einer
Trio-Wiedervereinigung eine Absage erteilt.
2003 war ein gutes Trio-Jahr:
Im Sommer erschien eine DVD ("Best Of Trio"),
die alle - auch unveröffentlichte - Videos enthielt. Damit nicht genug: Es
erschien auch eine Doppel-CD ("Trio
Deluxe Edition"), die das erste Album mit
reichlich Zusatzmaterial beinhaltete und von der Fachpresse euphorisch begrüßt
wurde.
In einer pissfeuchten ungemütlichen Novembernacht fand 2004 im Gasthaus Kempermann in Großenkneten das erste bundesweite Fantreffen statt. Stephan ließ eine Videobotschaft übermitteln, Kralle war per Telefon vertreten, und Peter war persönlich da und spielte mit zwei Fans eine Handvoll alter Trio-Songs. Im November des drauffolgenden Jahres wurde die Veranstaltung wiederholt. Hier sickerte auch langsam durch, dass Stephan Remmler nach knapp 10 Jahren Pause ein Comeback starten wird.